Wie es aussieht, sind Kryptowährungen nun im Bärenmarkt angekommen. Das bedeutet, dass der Pessimismus der Bären den Optimismus der Bullen ersetzt, und dass die Preise dazu neigen, eher zu fallen anstatt zu steigen. Ein paar Ratschläge und Ideen zum Bärenmarkt.

Die Kurse fallen, purzeln, stürzen. Nicht nur an einem Tag, sondern seit bald einem Monat, nicht nur bei einer Kryptowährung, sondern bei allen. So, wie sich die Lage darstellt, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass die Blase bei gut 14.000 Euro ihren Höhepunkt erreicht hat, und dass auf das optimistische, den Kurs immer höher treibende Jahr 2017 nun ein eher deprimierender Bärenmarkt folgt. Der Kurs versucht, den Boden zu finden. Es wäre zwar auch denkbar, dass sich lediglich ein besonders extremer Teil der Rally, die Blase seit Oktober bzw. November 2017, abbaut. Aber die Einstürze sind zu heftig und zu kontinuierlich, um darauf sein Geld zu setzen.

Wir geben hier einige lose zusammenhängende Ideen und Tipps zum Bärenmarkt wieder.

Geschichte wiederholt sich nicht – aber sie reimt sich

Natürlich kann man aus der Vergangenheit nicht die Zukunft ablesen. Egal wie oft etwas in einer gewissen Weise geschah – es kann beim nächsten Mal immer vollkommen anders kommen. Dennoch könnte man meinen, dass die Geschichte etwas darüber aussagt, wie sich der Bärenmarkt entwickeln wird.

Es gab bisher bei Bitcoin zwei große Blasen, auf deren Platzen jeweils ein langer Bärenmarkt folgte (wir lassen hier die beiden kleineren Blasen von 2010 und 2013 außen vor). Jede dieser großen Blasen hat den Höhepunkt einer Reward-Ära markiert. Wer den Begriff nicht kennt – die Reward-Ära meint jeweils 4 Jahre, in dem eine bestimmte Belohnung je Block gilt. In der ersten Ära erhielten die Miner 50 Bitcoin je Block, in der zweiten 25, und in der dritten, in der wir derzeit sind, noch 12,5. In jeder dieser Zeitabschnitte gab es bisher eine große Blase.

Die Blase von 2011 in der 2-Jahres-Perspektive. Alle Charts von Bitcoincharts.com

Die große Blase der ersten Ära gipfelte im Juni 2011 bei etwa 30 Dollar, womit sich der Preis seit Anfang des Jahres beinah verhundertfacht hatte. Auf sie folgte ein harter Einsturz. Im November 2011 erreichte der Preis von 2 Dollar seinen Tiefpunkt. Von dort aus stieg er wieder langsam, doch es dauerte bis Anfang 2013, bis der Bullenmarkt wiederkehrte.

Die Blase von 2013/2014 im 2,5 Jahres Verlauf.

In dem wilden Jahr 2013 stürmte der Kurs im Herbst auf mehr als 1.000 Dollar. Damit hatte der Kurs im Vergleich zum Januar um fast das hundertfache zugelegt. Nachdem die Blase geplatzt war, gab der Preis mehr als ein Jahr lang nur nach, bis er schließlich im Januar 2015 bei etwa 200 Dollar einen Boden fand. Es sollte allerdings bis November dieses Jahres dauern, bis es von dort aus wieder deutlich aufwärts ging.

Die Blase von 2017. Wie es weitergeht können Sie sich selbst ausmalen.

Die große Blase von 2017 schließlich hatte innerhalb gut eines Jahres den Preis von etwa 500 auf beinah 20.000 Dollar gehoben.  Danach stürzte der Preis in einigen rasch aufeinanderfolgenden Crashs auf rund 8.000 Dollar. Wie es wohl weitergeht?

Hold!

Verluste werden erst zu wirklichen Verlusten, wenn Sie verkaufen. Es gibt in allen Märkten die Leute, die teuer kaufen, dann günstiger verkaufen, die Sache schließlich vergessen und später, wenn es die nächste Blase gibt, noch teurer nachkaufen. Dass man besser nicht so vorgehen sollte, versteht sich von selbst.

In den bisherigen Bitcoin-Blasen gab es bisher noch keinen Zeitpunkt, zu dem ein Kauf schlecht gewesen wäre. Auf der Spitze der Blase 2011? Oder gar auf der von 2013? Beides waren, rückblickend betrachtet, exzellente Kaufgelegenheiten. Natürlich gibt es keine Garantie, dass es wieder so kommt. Jede Blase könnte die letzte gewesen sei. Aber wenn Sie Bitcoins gekauft haben, weil Sie an die Zukunft der Kryptowährungen glauben, dann hat sich durch den Absturz nichst fundamentales verändert. Die Fiat-Währungen sind weiterhin schwach, und Krypto hat weiterhin das Potenzial, das Geld der Zukunft zu werden. Vielleicht sogar mehr denn je zuvor.

Wenn Sie zuviel in Bitcoin investiert haben, wenn Sie nachts nichts schlafen können, vor Sorge um die Verluste, wenn Sie alle zehn Minuten auf die Charts schauen, in der ständigen Hoffnung, dass es endlich wieder weiter aufwärts geht – dann sollten Sie vermutlich Bitcoins verkaufen. Der Verlust, den Sie damit realisieren, wird kaum schwerer wiegen als der Stein, der Ihnen damit von der Seele fällt. Ansonsten sollten Sie zumindest einen Teil der Bitcoins und anderen Kryptocoins behalten, einfach nur, um vorbereitet zu sein, wenn der nächste Bullenmarkt beginnt.

Wer vorhat, seinen Vorrat an Bitcoins aufzustocken, wird dem Bärenmarkt sogar etwas gutes abgewinnen. Die Preise sind schon jetzt deutlich günstiger als noch vor einem Monat, und es dürfte zu erwarten sein, dass die kommenden Monate noch die eine oder andere Kaufgelegenheit mit sich bringen.

Bärenjahre sind Arbeitsjahre

Bullenmärkte werden meistens von einem geradezu obsessiven Optimismus getrieben. Es gibt nichts, was nicht gekauft wird, und es gibt keine Position, von der sich Anleger nicht eine Vervielfachung der Preise erhoffen. Vermutlich dürfte nichts bezeichnender für die Blase von 2017 sein, als der Wahn der ICO, als das Aufsteigen von vormals bedeutungsloser Altcoins zu Multi-Milliarden-Dollar-Coins, und als die große Herde an Einhörnern – Coins mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar – die immer größer wurde und irgendwann sogar mehr als 40 Mitglieder zählte.

Der Bullenmarkt kauft Versprechen – und der Bärenmarkt die Leistung. Die Blase, die den Höhepunkt eines Bullenmarktes markiert, spült massenweise Kapital auf die Märkte. Während eines Bärenmarktes muss dieses Kapital nun arbeiten, um Bitcoin und die anderen Kryptowährungen wirklich voranzubringen. Der Risikokapitalgeber Fred Wilson sagte rückblickend über das Platzen der Dotcom-Blase:

“Ein Freund von mir hat einen großartigen Spruch. Er sagt: ‘Nichts bedeutendes wurde jemals geschaffen ohne irrationalen Überschwung.’ Das meint, man braucht eine Art von Manie, um Investoren dazu zu bringen, ihre Geldbörsen zu öffnen und die Entstehung einer Eisenbahn- oder Automobil- oder Luftfahrtsindustrie zu finanzieren.  Und in diesem Fall [der Dotcom-Blase] wurde viel von dem investierten Kapital verloren, aber ebenso viel davon wurde in ein starkes Rückgrat des Internets investiert, und in eine Menge an funktionierender Software, und in Datenbanken und Server-Strukturen. All das, was es uns erlaubt hat, das zu haben, was wir heute haben, was unser Leben verändert hat … das ist das, was diese Spekulations-Manie geschaffen hat.”

Der Bullenmarkt holt Investments ein, der Bärenmarkt verwirklicht sie. Bei Bitcoin sind während allen bisherigen Bärenmärkten die wichtigsten Dinge entstanden. Auf die Blase von 2011 folgte etwa die Entstehung von Börsen wie Bitcoin.de und BitStamp; nach der Blase von Ende 2013 entstanden Börsen rund um die Welt, ATMs, Hardware-Wallets, eine Welle der Akzeptanz von Bitcoin im Handel setzte ein. Bärenmarkte korrigieren die Versprechungen, die Bullenmärkte machen, lösen sie aber auch ein.

Es ist schwer, zu prognostizieren, was der nächste Bärenmarkt bringen wird. Doch als Anleger in Kryptowährungen sollten Sie nun genauer darauf achten, welche echten, nicht-spekulativen Märkte Ihr Investment bedient. Denn in der Regel ist es die echte Nutzung, die in einem Bärenmarkt den Boden verlegt.

Die Märkte haben sich verändert

2014 war die Kryptowelt noch einfach gestrickt. Man hatte sich Bitcoins gekauft, behielt diese und wartete darauf, dass der nächste Bullenmarkt beginnt. Wer Geduld hatte, wurde fürstlich belohnt.

2018 sieht die Welt ganz anders aus. Der Markt wurde mehr als Bitcoin. Der Anteil von Bitcoin am gesamten Markt sank von mehr als 90 Prozent auf gerade mal 35 Prozent. Neben Bitcoin nehmen Ethereum, Ripple, Bitcoin Cash und, vor allem, die “anderen Coins” signifikante Marktanteile ein. Es gibt mehrere Szenarien, wie dies weitergehen wird: Das Lightning-Netzwerk wird ein Megaerfolg und Bitcoin holt sich die verlorenen Marktanteile zurück. Oder: Ethereum setzt seinen bisherigen Aufstieg fort, löst mit Sharding und Raiden das Skalierungsproblem, und wird zur unangefochtenen Nummer ein. Oder: Bitcoin Cash realisiert “Satoshis Vision” und macht Bitcoin mit weltweitem Onchain-Scaling wieder zur Nummer ein. Oder: Ein ganz anderer Coin taucht auf uns setzt sich an die Spitze … Wer weiß das schon?

Der vielleicht wichtigste Chart, um die derzeitige Marktlage zu beschreiben: Der Bitcoin-Dominanz-Index. Die orangene Kurve zeigt den Niedergang der Bitcoin-Dominanz, die lilafarbene, blaue und gründe Kurve den Marktanteil von Ethereum, Ripple und Bitcoin Cash. Die weiße Linie zeigt den Marktanteil der “sonstigen Coins”. Quelle: Coinmarketcap.com

Nur Bitcoin zu halten ist eine Strategie von 2013, die für die Kryptomärkte von 2018 unzureichend erscheint. Hier konkurrieren mehrere Coins mit ihren je eigenen Visionen miteinander, und Sie als Investor haben keine andere Wahl, als sich dann und wann damit zu beschäftigen, wie diese Vision aussieht, wie weit sie gediehen ist, ob die Entwickler die Fähigkeiten haben, sie zu realisieren, und ob es eine Nachfrage des Marktes nach ihr gibt.

Es dürfte schmerzhaft werden, im Jahr 2018 auf den sogenannten “Shitcoins” zu sitzen. Das sind Altcoins, die ausschließlich spekulativen Zwecken dienen und sonst keinen Nutzen haben. Doch sein Investment ein wenig zu streuen dürfte ein wichtiger Ratschlag sein.

Vorsicht vor Bullenfallen

Ein typisches, gemeines Merkmal von Bärenmärkten sind die Bullenfallen. Sie verlocken unerfahrene Anleger dazu, dem guten Geld noch das schlechte Geld hinterherzuwerfen.

Wenn sich eine Blase abbaut, geschieht dies gewöhnlich in einem Muster, das “Dead Cat Bounce” genannt wird. Das makabre Bild ist, dass eine tote Katze die Treppen hinunterfliegt. Es geht abwärts, ein Stück aufwärts, weiter abwärts, wieder ein bißchen aufwärts, doch dann erneut noch tiefer … Manche Investoren, die mit Verlusten verkauft haben, weil sie Panik bekommen haben, alles zu verlieren, haben die Neigung, bei einem deutlichen Anstieg des Kurses erneut in Panik zu verfallen, diesmal aber, weil sie fürchten, nun, nach dem Verkauf, die Gelegenheit zum Wiedereinstieg zu verpassen.

Eine klassische, wenn auch besonders hinterhältige Bärenfalle: Die scheinbare Erholung des Preises im Frühjahr 2014.

Oft fallen diese kurzzeitigen Erholungen stark aus. Es ist schwer, sie von einer echten Erholung zu unterscheiden, und die oft überoptimistischen Krypto-Communities feiern sie gerne vorschnell als Rückkehr der Bullen. So hat der Bitcoin-Kurs nach einer Serie harter Crashes im April 2014 einen vorübergehenden Boden bei etwa 400 Dollar gefunden. Vor dort aus stieg er wieder an, im Juni erreichte er sogar wieder 700 Dollar. Wer aber an dieser Stelle gemeint hat, dass dies der Auftakt zu einer neuen Rally ist, war in eine Bärenfalle getappt: Der Kurs sank von hier aus wieder und fiel im Oktober sogar auf 300 Dollar. Auch die kurzzeitige Erholung auf 400 Dollar Mitte November endete damit, dass sich der Kurs noch einmal halbierte, bis er im Januar 2015 auf dem Boden aufsetzte.

Hüten Sie sich davor, unbedacht in eine Bärenfalle zu treten – aber lernen Sie, den echten Boden zu erkennen.

Sei nicht All-In!

Alles zu verkaufen, ist eine blöde Idee. Aber nicht minder blöd ist es, gar nichts zu verkaufen. Der Bärenmarkt wird voraussichtlich nicht in ein paar Monaten vorbeisein, sondern sich über ein bis zwei Jahre hinziehen. Zumindest ist das meine private, subjektive Einschätzung. Es wird weitere Einstürze, Erholungen und noch mehr Einstürze geben. Wo genau der Boden sein wird, ist derzeit extrem schwer auszumachen. Er könnte bei 6.000 Euro liegen, aber auch bei 2.000, oder gar noch tiefer.

Wenn Sie in dieser Lage All-In sind, also nur Kryptowährungen halten, berauben Sie sich Ihrer Handlungsmöglichkeiten. Ein wenig Euro auf den Börsen ermöglicht es Ihnen, in den “Dips”, also den steilen Einstürzen, zu kaufen, womöglich während der Bullenfallen zu verkaufen, und grundsätzlich auf einen günstigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg zu warten. Nur wenn Sie nicht All-In sind, können Sie die Verluste durch den Kurs damit ausgleichen, indem Sie Ihren Bestand an Coins erhöhen.

Viel Glück!